bi Pumpwerk13


Vom Vorbeifahren kennen viele das Pumpwerk 13, das dieWeststadt vom Flutgraben (unten) abriegelt, wenn der bei Hochwasser nicht mehr in die Lahn abfließen kann.


Von Guido Tamme

Der Spitzname »Gumminsel« hat schon seine Berechtigung: Bis in die Siebzigerjahre hinein waren Teile derWeststadt bei jedem Hochwasser von der über die Ufer getretenen Lahn umschlossen. Erst der Umbau des Klinkelschen Wehrs im Jahr 1977 schränkte die ständigen Überschwemmungen spürbar ein. Ganz verhindert werden oberirdische Überflutungen, seit die Stadt für rund sechs Millionen Euro den zwei Kilometer langen Hochwasserdamm am Ostrand Sachsenhauses anlegte.

Nicht gelöst wurde damit jedoch die Überlastung des Entwässerungsnetzes der Weststadt bei starken Regenfällen in einer Hochwassersituation: Wegen des hohen Pegels der Lahn konnte das Regenwasser nicht dorthin abfließen, sondern staute sich im Flutgraben und in den Kanälen zurück. Deshalb entschlossen sich die Mittelhessischen Wasserbetriebe – bis 2005 die Wasserbauabteilung des städtischen Tiefbauamtes – auf Initiative ihres Sachgebietsleiters Peter Eschke zum Bau von drei Hochwasserpumpstationen.

Diese wurden nach sorgfältiger Auswahl von Standort und Bauweise in den Jahren 2014 und 2015 errichtet. Die auffälligste Station befindet sich neben dem Flutgraben an der Ecke Heuchelheimer Straße/Ringauffahrt. Sie ist vielen Passanten wegen der farbenfrohen Graffiti auf den Wänden ein Begriff. Die zweite verbirgt sich unter der neu angelegten Uferterrasse an der Lahn-Böschung unmittelbar nördlich der Sachsenhäuser Brücke. Die dritte wurde komplett unterirdisch angelegt, und zwar gegenüber der Einfahrt zum Fuhrpark an der Schlachthofstraße. Gut 3,1 Millionen Euro haben die MWB dafür ausgeben, rund 200000 Euro weniger als ursprünglich veranschlag; das Land war mit 1,1 Mio. Euro dabei.

Die neuen Pumpstationen verhindern bei Hochwasser der Lahn einen Rückstau in die Regenwasserkanäle. Zugleich pumpen sie dasWasser aus den Kanälen ab und drücken es in die Lahn. Dafür stehen jeweils zwei Pumpen mit einer Leistung von bis zu 150 Litern in der Sekunde zurVerfügung, die abwechselnd laufen.

Sie springen im Saugraum automatisch an, wenn der Pegel der Lahn eine bestimmte Höhe überschritten hat. Zugleich schließt sich ein Schieber, der die beiden Regenauslasskanäle in die Lahn und den Flutgraben abdichtet.

Anfang Dezember waren die drei Neubauten erstmals gefragt, als die Lahn nach heftigen Regenfällen für einige Tage über die Ufer getreten war. »Bewährungsprobe bestanden; sie haben einwandfrei gearbeitet«, freut sich Oliver Friedl, der neue MWBSachgebietsleiterWasserbau.

 

Zehn weitere Stationen
Die neuen Pumpstationen tragen bei den Mittelhessischen Wasserbetrieben intern die Nummern 11, 12 und 13. Es gibt also bereits zehn nummerierte Pumpwerke; dazukommen mehrere weitere, die nach dem Standort benannt sind. Ein Teil der Stationen schützt – ebenso wie jetzt auf der anderen Seite der Lahn im FalleWeststadt – bei starken Regenfällen und Hochwasser die Innenstadt vor Rückstaus und Überflutungen durch die Überlastung des Kanalnetzes. Andere Pumpen laufen ständig, weil es gilt, tief liegende Schmutzwasserkanäle auf das Niveau des Klärwerkzulaufs anzuheben. Fast alle Stationen sind unterirdisch angelegt und fallen deshalb im Stadtbild nicht auf.